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descriptionZwei Hände
Obwohl eine typische Alterserkrankung, betrifft Parkinson auch immer öfter jüngere Menschen. Ursache ist letztendlich ein Mangel des Gehirnbotenstoffs Dopamin.
descriptionComputertomografie des Gehirns
Anfangs sind nur die Muskeln verspannt und die Hände ungeschickter. Später treten das typische Zittern auf, Haltungsänderung und Verdauungsstörungen.
descriptionHand zeichnet Figuren aufs Papier
Die Krankheit ist zwar nicht heilbar, aber Verlauf und Symptome lassen sich mildern: mit speziellen Medikamenten, Physio-, Ergo- und Sprachtherapie.
descriptionAlter Mann fasst sich an die Stirn
Im Krankheitsverlauf können sich weitere körperliche und psychische Beschwerden entwickeln – vor allem Depressionen, Demenz und sexuelle Störungen.
descriptionTelefon mit großen Tasten
Wie lässt sich der Alltag mit Parkinson besser meistern? Tipps für Patienten und ihre Angehörigen. Dazu ein Test zur Parkinson-Früherkennung und wichtige Adressen.
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Medikamentöse Therapie

Morbus Parkinson gilt auch heute noch als unheilbar. Doch das Fortschreiten der Erkrankung lässt sich aufhalten, die Symptome lassen sich mildern. Meist gelingt das mit Medikamenten. Auch begleitende Maßnahmen sind bei Morbus Parkinson wichtig, wie Physio- und Ergotherapie, Sprachtraining und nicht zuletzt Entspannung.

Im Überblick



Medikamentöse Therapie

Generell sollte die Behandlung von Parkinson-Patienten sehr individuell gestaltet werden. Die Auswahl der Präparate erfolgt dabei nach Wirksamkeit und Verträglichkeit. Auch die Erfahrung des jeweils behandelnden Arztes spielt eine Rolle. Es stehen für die Behandlung sieben verschiedene Substanzen beziehungsweise Substanzgruppen zur Verfügung:
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Bei Betroffenen, die unter 70 Jahre alt sind und nicht noch wesentliche Begleiterkrankungen haben, wird die Therapie mit einem Dopaminagonisten begonnen.

Bei Parkinson-Patienten, die über 70 Jahre alt sind, oder auch bei multimorbiden Patienten jeder Altersgruppe empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Neurologie den Therapiebeginn mit einer L-Dopa-Einzeltherapie. Sind die anfänglichen Parkinson-Symptome dieser Betroffenengruppe nur mild ausgeprägt, so lässt sich der Beginn einer Dopamin-Ersatztherapie manchmal hinauszögern, indem entweder Amantadin oder Selegilin als Einfachtherapie gegeben wird. Allerdings haben beide Medikamente unerwünschte Wirkungen, die nicht unerheblich sind und entsprechend besonders bei multimorbiden Betroffenen beachtet werden müssen.

Bei alten und kognitiv eingeschränkten Patienten dürfen Anticholinergika nicht gegeben werden. Auch verbietet sich generell der Einsatz von COMT-Hemmern als Einfachtherapie, L-Dopa darf nur mit Decarboxylasehemmern gegeben werden.
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Dopaminagonisten

Dopaminagonisten imitieren die Dopaminwirkung dadurch, dass sie an den gleichen Stellen im Gehirn ansetzen, an denen normalerweise das Dopamin wirken würde. Vor allem Beweglichkeitsschwankungen und unwillkürliche Bewegungen treten unter Therapie mit Dopaminagonisten seltener und später in Erscheinung. Insbesondere Parkinson-Patienten, die in jüngeren Jahren erkrankt sind, können von der Frühkombination eines Dopaminagonisten mit L-Dopa profitieren oder sogar ausschließlich eine Therapie mit einem Dopaminagonisten bekommen.

Relativ häufig treten bei Einnahme dieser Präparate Übelkeit, Brechreiz oder Blutdruckabfall auf. In seltenen Fällen kann es auch zu Schlafattacken kommen, die insgesamt mit verstärkter Tagesmüdigkeit einhergehen. Beim Auftreten solcher Attacken sollten Betroffene aus Sicherheitsgründen zum Beispiel nicht mehr Auto fahren oder die Therapie sollte umgestellt werden. Generell muss aber kein Fahrverbot bei der Einnahme von Dopaminagonisten ausgesprochen werden.

Eine weitere nicht zu unterschätzende mögliche Nebenwirkung der Dopaminagonisten ist die Möglichkeit der Impulskontrollstörungen. Hierbei werden Spiel-, Kauf- oder Sexsucht ausgelöst. In diesem Fall muss dringend ärztliche Hilfe gesucht werden.

Außerdem kann es zu einer Vermehrung des Bindegewebes beispielsweise am Lungen- und Bauchfell oder auch an den Herzklappen kommen. Deshalb ist eine engmaschige Überwachung des Patienten erforderlich.
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L-Dopa

L-Dopa ist die Vorstufe des Neurotransmitters Dopamin, das dem Körper bei der Parkinson-Krankheit fehlt. Diese Vorstufe wird dem Körper in Tabletten- oder Kapselform zugeführt. Dabei ist dem L-Dopa ein sogenannter Decarboxylasehemmer zugesetzt, der verhindert, dass die Dopaminvorstufe schon in Dopamin umgewandelt wird, bevor es im Gehirn angekommen ist. Als Substanzen werden hier Carbidopa und Benzerazid verwendet. Durch diese Enzymhemmer konnte die L-Dopa-Menge pro Tablette auf gut ein Viertel der früheren Dosis gesenkt werden.

Am deutlichsten werden durch das L-Dopa beziehungsweise durch das wirksame Dopamin die Akinese und der Rigor verbessert. Um vor allem nach dem morgendlichen Erwachen eine schnelle Starthilfe zu geben, hat man schnell wirksame Trinktabletten mit dem L-Dopa-Wirkstoff entwickelt. Sie lassen sich auch in Phasen schlechter Beweglichkeit dazu nutzen, diese schnell und effektiv zu unterbrechen. Für die gute Beweglichkeit nachts können Retard- oder Depot-Tabletten eingesetzt werden, die den Wirkungseintritt der Substanz verzögern und somit gewährleisten, dass die Wirkung nachts nicht irgendwann komplett nachlässt.

Als unerwünschte Wirkungen treten Übelkeit, Erbrechen, aber auch Verstopfung auf. Es kann zu Kreislaufbeschwerden kommen, verstärktem Harnfluss und vermehrtem Schwitzen kommen.

Nach langdauernder L-Dopa-Gabe treten häufig die schwertherapierbaren L-Dopa-Langzeitkomplikationen, wie Dyskinesien und Fluktuationen auf.

Medikamente, die L-Dopa enthalten, sollten Patienten nicht zusammen mit einer eiweißreichen Kost einnehmen, da sonst nicht gewährleistet ist, dass das Medikament ausreichend aus dem Darm aufgenommen wird. Sie sollten deshalb einen bestimmten Einnahmeplan einhalten.
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MAO-B-Hemmer

MAO-B-Hemmer blockieren ein Enzym, das das Dopamin abbaut – die Monoaminooxydase-B (MAO-B). Dadurch wird Dopamin im Gehirn angereichert, obwohl weiterhin grundsätzlich der Mangel besteht. Selegilin und Rasagilin sind selektive MAO-B-Hemmer. Die Wirkung und auch die Nebenwirkungen sind ähnlich denen des L-Dopa. Allerdings treten auch Müdigkeit und Benommenheit, Kopfschmerzen und Hauterscheinungen unter diesem Medikament auf. Zudem wirkt ein Präparat dieser Art gering antriebssteigernd, was zu einer Schlafbeeinträchtigung führen kann. Deshalb sollten die Patienten es nicht abends einnehmen.  

Normalerweise hemmen MAO-Hemmer die Enzyme zum Abbau von Aminen, wodurch es zum Anhäufen von schädlichen Aminen im Körper kommen kann. Da es sich bei Selegilin und Rasagilin um reine MAO-B-Hemmer handelt, die fast ausnahmslos nur den Dopaminabbau beeinflussen, sind keine diätetischen Maßnahmen notwendig, die sonst bei nicht selektiven MAO-Hemmern empfohlen werden.
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Amantadinsalze

Amantadinsalze werden seit vielen Jahren erfolgreich in der Behandlung der Parkinson-Krankheit eingesetzt. Sie wirken insbesondere auf die Akinese, aber auch auf Tremor und Rigor.

Sie hemmen dabei einen bestimmten Rezeptor, den NMDA-Rezeptor, wodurch wiederum der Neurotransmitter Glutamat gehemmt wird. Hierdurch lässt sich indirekt die Beweglichkeit bessern. Allerdings zeichnet sich bei vielen Patienten bereits nach mehreren Monaten ein teilweiser oder kompletter Wirkungsverlust ab. Amantadinsalze können zu nächtlicher Unruhe und Halluzinationen führen und sollten deshalb nur am Vormittag gegeben werden.

Man kann sie auch als Infusionslösung verwenden, zum Beispiel vor Narkosen, aber auch bei starken Schluckstörungen und bei der inzwischen seltener gewordenen akinetischen Krise, alles Situationen, in denen die Tabletteneinnahme eingeschränkt ist.

Normalerweise werden Amantadine gut vertragen. Als unerwünschte Wirkungen kommen vor allem Mundtrockenheit, Übelkeit, Wasseransammlungen und auch ein sogenanntes Delir oder eine Psychose vor.
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Anticholinergika

Anticholinergika waren die ersten eingesetzten Medikamente bei der Parkinson-Krankheit. Sie haben heutzutage nur noch eine eingeschränkte Bedeutung in der Therapie. Sie werden vor allem gegen den Tremor eingesetzt, oder wenn vegetative Störungen wie starkes Schwitzen auftreten.

Anticholinergika hemmen den Nervenbotenstoff Acetylcholin, der durch den Dopaminmangel bei der Parkinson-Krankheit ein relatives Übergewicht hat. Da durch diese Wirkweise auch verstärkt unangenehme Nebenwirkungen wie Mundtrockenheit, Harnverhalt, Darmträgheit und auch ein erhöhter Augeninnendruck auftreten können, ist ihre Anwendung eingeschränkt. Sie werden vor allem in niedriger Dosierung gegeben. Bei älteren Menschen mit zusätzlicher Demenz sollten Anticholinergika wegen der Beeinträchtigung des Denkvermögens und der Wahrnehmung nicht zum Einsatz kommen.

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Budipin

Budipin wird vor allem bei Tremor eingesetzt. Er wirkt hauptsächlich über eine Hemmung von NMDA-Rezeptoren auf den Nervenbotenstoff Glutamat. Zusätzlich verstärkt er wohl die Wirkung von Dopamin, indem er die Dopaminwiederaufnahme hemmt, seine Freisetzung fördert und das Enzym MAO-B hemmt.

Vor Einnahme dieses Präparats sollte unbedingt eine Untersuchung des Herzens erfolgen, da dieses Medikament in Einzelfällen zu lebensbedrohlichen Herzrhythmusstörungen führen kann. Deshalb darf Budipin nicht mit Amantadin kombiniert werden, denn kombiniert ist die Gefahr von Herzrhythmusstörungen erhöht.
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COMT-Hemmer

Ein zweiter Abbauweg für das L-Dopa beziehungsweise Dopamin ist das Enzym Catechol-O-Methyl-Transferase (COMT). Hemmstoffe der COMT führen somit zu einem geringeren Abbau von aktivem L-Dopa. In Deutschland ist Entacapon für Betroffene mit motirischen Fluktuationen zugelassen. Das Präparat wird von den meisten Betroffenen gut vertragen. Es verbessert bei gleichzeitiger L-Dopa-Gabe die gleichmäßigere Abgabe von L-Dopa ins Gehirn. Dadurch steigert es die Wirksamkeit von L-Dopa. Entacapon wird vor allem dann eingesetzt, wenn durch andere Parkinsonmedikamente eine gleichmäßige Beweglichkeit nicht mehr aufrechterhalten werden kann. Es kann unter Gabe dieses Medikamentes verstärkt zu Durchfällen kommen, die sich manchmal erst nach längerer Zeit entwickeln. Die Farbe des Präparats kann zudem zu einer Orangefärbung des Harns führen, die allerdings keinen Krankheitswert hat.

Außerdem ist in Deutschland auch Tolcapon zugelassen. Dieses Präparat sollte jedoch nur bei intakter Leberfunktion und unter Leberwertkontrolle eingesetzt werden.
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Medikamente bei motorischen Fluktuationen

Sowohl Beweglichkeitsschwankungen – motorische Fluktuationen – als auch unwillkürliche Bewegungen – Dyskinesien– können abhängig oder unabhängig von der Medikamenteneinnahme bei der Parkinson-Krankheit auftreten. Vor allem im Verlauf der langzeitlichen Behandlung mit L-Dopa und Dopaminagonisten treten solche Schwankungen der Beweglichkeit auf.
  • On-Off-Phänomen: On-Phasen nennt man die Zeiten mit guter Beweglichkeit, die Betroffenen fühlen sich wie angeschaltet (engl. „on“). In Off-Phasen mit schlechter Beweglichkeitfühlen sich die Betroffenen wie ausgeschaltet (engl. „off“). Um einen genauen Überblick zu bekommen, wann die Beweglichkeit wie gut oder wie schlecht ist, sollten Parkinson-Patienten ein Tagesprotokoll über ihre Beweglichkeit führen.
  • Fluktuationen: Dosisabhängige, vorhersehbare Fluktuationen (Änderungen) treten vor allem bei fortgeschrittener Krankheit auf, weil dann die abfallende Konzentration des L-Dopa im Blut nicht mehr ausgeglichen werden kann. Dosisunabhängige, unvorhersehbare Fluktuationen sind akut auftretende Beweglichkeitsstörungen, die auch als „Freezing“ („Einfrieren“) bezeichnet werden. Dieses Phänomen tritt ohne Bezug zur Medikation auf. Der Betroffene erstarrt plötzlich, zum Beispiel beim Durchschreiten eines Türdurchgangs oder vor einer Türschwelle. Meist können sich die Patienten schon nach kurzer Zeit gut weiterbewegen.
  • End-of-dose-Akinesien: Im Verlauf der Therapie lässt die Wirkdauer von L-Dopa nach. Deswegen können kurz vor der Einnahme der nächsten Dosis Akinesien auftreten. Man versucht bei Auftreten dieses Phänomens, dem Körper L-Dopa gleichmäßiger anzubieten, das heißt kleineren Einzeldosen in verkürzten Dosierabständen. Als weitere Möglichkeit können bei der Einzeltherapie mit L-Dopa zusätzlich Dopaminagonisten gegeben werden. Oder man kombiniert mit dem COMT-Hemmer Entacapon.

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Medikamente bei Dyskinesien

  • Peak-dose-Dyskinesien: Meistens treten die unwillkürlichen Bewegungen als grimassierende, schmatzende Bewegungen im Gesicht oder als Bewegungsunruhe im Schulter-Arm-Bereich auf, wenn die höchste Dosis (engl. „peak dose“) von L-Dopa im Blut erreicht ist. Man versucht, diese Dyskinesien zu therapieren, indem man Dosisspitzen möglichst vermeidet, das heißt, die Einzelgaben des L-Dopa werden verringert. Somit lassen sich zwar die unwillkürlichen Bewegungen vermeiden, aber auch die On-Phasen werden verkürzt und die Off-Phasen verlängert, was der Betroffene als nachteilig erlebt.
  • Off-Phase-Dystonie: Bei niedrigem L-Dopa-Spiegel können sich unwillkürliche Bewegungen als sogenannte Off-Phase-Dystonie insbesondere an den Beinen in Form von teils schmerzhaften Verkrampfungen oder langsamen, zähflüssigen und auch drehenden Bewegungen entwickeln. Sie treten zeitlich häufig erwartet auf und lassen sich dann gezielt mit löslichem L-Dopa mildern. Treten sie in der zweiten Nachthälfte oder morgens auf, so können Betroffene abendliches L-Dopa-Verzögerungspräparat einnehmen. Alternativ kann abends auch ein lang wirkender Dopaminagonist gegeben oder L-Dopa mit dem COMT-Hemmer Entacapon kombiniert werden.
  • Biphasische Dyskinesien: Selten können Dyskinesien in der An- und Abflutungsphase des L-Dopa auftreten. Man spricht dann von biphasischen Dyskinesien.
  • On-Dystonien: In Phasen guter Beweglichkeit gibt es bei hoher L-Dopa-Konzentration sogenannte On-Dystonien, die sich als schmerzhafte Bewegungsstörungen äußern.

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Medikamentöse Therapie bei der akinetischen Krise

Unter einer akinetischen Krise versteht man die plötzlich eintretende völlige Bewegungsunfähigkeit eines Parkinson-Patienten. Die akinetische Krise ist eine lebensbedrohliche Komplikation. Der Betroffene muss sofort in ein Krankenhaus eingeliefert werden. Eine akinetische Krise tritt relativ selten auf, meistens erst im Spätstadium der Erkrankung. Auslöser dafür sind meistens andere Erkrankungen wie etwa ein schwerer fieberhafter Infekt oder auch eine vorangegangene Operation. Auch die akute Unterbrechung der Einnahme der Parkinson-Medikamente kann zu einer solchen Krise führen.

Bezeichnend für die akinetische Krise ist, dass der Betroffene aus einer guten Beweglichkeit unter dopaminerger Therapie heraus in kürzester Zeit fast völlig bewegungsunfähig wird. Er hat einen verstärkten Rigor und kann nicht sprechen und schlucken. Durch die Schluckstörung kann er keine Flüssigkeit zu sich nehmen, sodass er recht schnell austrocknet. Auch kann er keine Medikamente schlucken, wodurch er in einen Medikamentenentzug gerät.
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Behandelt wird die akinetische Krise intensivmedizinisch. Flüssigkeits- und Medikamentenzufuhr werden überwacht. Da die Betroffenen nicht schlucken können, erhalten sie entweder rasch lösliches L-Dopa über eine Magensonde, L-Dopa oder Amantadin als Infusion oder Apomorphin unter die Haut gespritzt (subkutan).

Wenn man alle Parkinson-Medikamente betrachtet, hat Apomorphin die stärkste Wirkung und ist am ähnlichsten zum körpereigenen Dopamin. Es ist in Deutschland allerdings nur für besondere Problemfälle von Parkinson-Kranken, wie zum Beispiel solche in der akinetischen Krise, zugelassen.

Behandlung der Begleiterkrankung Depression

Behandlung der Begleiterkrankung Demenz

Behandlung der Begleiterkrankung Sexuelle Störungen

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Operative Therapieverfahren

In letzter Zeit hat die tiefe Hirnstimulation bei der fortgeschrittenen Parkinsonerkrankung eine Lebensqualitätsverbesserung der Patienten erbracht. Die stereotaktischen läsionellen Verfahren bleiben heute einigen Sonderindikationen vorbehalten.
  • Die tiefe Hirnstimulation (tHS)
  • Die stereotaktischen, läsionellen Verfahren
Tiefe Hirnstimulation (tHS)
Die tiefe Hirnstimulation (tHS) erfolgt operativ. Anstatt Hirngewebe zu zerstören, wie das bei einem stereotaktischen Eingriff der Fall ist, werden hierbei über eine Elektrode die entsprechenden Stellen im Gehirn hochfrequent gereizt und dadurch funktionell ebenfalls ausgeschaltet. Die Elektrode wird dauerhaft in das Gehirn implantiert. Der Stimulator ist unter dem Schlüsselbein verborgen. Die Batterie des Neurostimulators hält drei bis fünf Jahre und muss dann in einer neuen kleinen Operation gewechselt werden. Das eingesetzte System ist gegenüber elektromagnetischen Störfeldern anfällig, das heißt, Betroffene müssen zum Beispiel Handys oder auch Sicherheitsprüfgeräte in Flughäfen meiden. Auch eine Kernspintomografie (MRT) ist dann nicht durchführbar.

Stereotaktische strukturelle Ausschaltung, ein stereotaktisches läsionelles Verfahren
Ziel eines stereotaktischen Eingriffs ist die Besserung der Parkinson-Symptome. Zunächst war dies vor allem für den Tremor beabsichtigt, aber auch die Bradykinese, der Rigor und Dyskinesien lassen sich mit einer solchen Behandlung mildern. Je nach Zielort des Eingriffs können die Symptome unterschiedlich stark gebessert werden. Bei der stereotaktischen strukturellen Ausschaltung werden Hirnzellen durch Hitze unwiederbringlich geschädigt. Dabei wird über ein kleines Bohrloch im Schädel mithilfe eines Zielgeräts eine Sonde an eine genau vorausberechnete Stelle im Gehirn platziert. Der Eingriff erfolgt nur mit einer lokalen Betäubung am Kopf, da das Gehirn selbst schmerzunempfindlich ist. Außerdem lässt sich während des Eingriffs die optimale Stelle nur dann finden, wenn der Patient wach ist.
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Therapie der Begleitsymptome

Schluckstörungen und Speichelfluss
Meistens hilft schon die optimale medikamentöse Einstellung mit L-Dopa oder Dopaminagonisten zur Verbesserung der motorischen Schluckfähigkeit. Dadurch kann dann auch einem vermehrten Speichelfluss entgegengewirkt werden. Ist diese Therapie nicht ausreichend, kann der Patient zusätzlich ein Anticholinergikum zirka eine Stunde vor dem Essen einnehmen. Allerdings muss sicher sein, dass der er psychisch nicht besonders auffällig ist, denn dann sollte man von einer Therapie mit solchen Medikamenten absehen.

Phasen guter Beweglichkeit sollten Patienten für das Essen und die Medikamenteneinnahme nutzen. Dabei sollten sie reichlich trinken und das Essen möglichst gut zerkleinern. Ausgeprägte Schluckstörungen lassen sich mit Amantadin-Infusionen gut behandeln. Bei sehr schweren anhaltenden Störungen muss der Betroffene künstlich über eine Sonde ernährt werden.

Verstopfung
Wichtig bei der Behandlung der Verstopfung ist einerseits eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr, aber auch eine ballaststoffreiche Ernährung und – so gut wie möglich – auch körperliche Bewegung. Auf alle diese Dinge wirklich regelmäßig zu achten, fällt gerade Parkinson-Patienten oftmals schwer, da sie in ihrer Beweglichkeit häufig sehr stark eingeschränkt sind.   Abführmittel können bei Krankheiten wie dem Morbus Parkinson auch auf Kassenrezept verschrieben werden – zum Beispiel Macrogol, das als Quellstoffpräparat eine kleine definierte Wassermenge bindet und somit den Stuhl aufweicht. Auf jeden Fall sollten die Betroffenen mit ihrem Arzt über das Problem Verstopfung sprechen.

Blasenfunktionsstörungen
Die nichtmedikamentösen Maßnahmen zur Behandlung der Blasenfunktionsstörungen umfassen eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr, das heißt täglich mindestens 2 Liter. Bei der Abendmahlzeit sollten Betroffene allerdings keine Getränke mehr zu sich nehmen, damit sie nachts nicht verstärkt zur Toilette müssen. Wichtig: Betroffene dürfen nicht längere Zeit im Feuchten liegen, denn dann besteht die Gefahr, dass sie sich wundliegen.

Hat der Patient eher einen Harnverhalt, so kann er durch Beklopfen der Blasengegend versuchen, die Harnentleerung auszulösen. In manchen Fällen ist es für eine bestimmte Zeit auch nötig, dass die Blase regelmäßig katheterisiert wird. Das kann der Betroffene selbst erlernen, wenn er ausreichend beweglich dafür ist. Ist wahrscheinlich, dass die Entleerungsstörung der Blase über eine längere Zeit anhält, wird ein sogenannter suprapubischer (oberhalb des Schambeins liegender) Katheter gelegt.
Medikamentös können je nach Störung der Blasenfunktion unterschiedliche Wirkstoffe eingesetzt werden.

Kreislaufstörungen
Hatte der Parkinson-Patient vor Beginn seiner Erkrankung Bluthochdruck und wurde er deswegen medikamentös behandelt, so ist zubeobachten, ob sich der Bluthochdruck nicht bereits durch die Parkinson-Krankheit normalisiert hat. Dies ist nicht selten der Fall. Denn sonst kann es zu niedrigem Blutdruck – einer sogenannten orthostatischen Hypotonie – kommen, wenn der Betroffene entsprechende M edikamente weiterhin einnimmt. Er kann dann ebenfalls Beschwerden haben.

Wichtig bei Vorliegen einer solchen orthostatischen Hypotonie ist, dass die Patienten soweit möglich regelmäßig körperlich trainieren, ausreichend trinken und auch genügend Kochsalz zu sich nehmen. Sind Betroffene bettlägerig, so sollte das Bett mehrmals täglich zum Kopfende hin geneigt werden. Kreislaufanregend sind Trockenmassagen, Wechselduschen und auch angepasste Stützstrümpfe. Beim Aufstehen aus dem Liegen sollten sich die Betroffenen viel Zeit lassen.

Medikamentös wird die Kreislaufstörung nur dann behandelt, wenn alle anderen Maßnahmen nicht greifen.


Mehr über Hilfsmittel bei Harninkontinenz

Schlafstörungen
Schlafstörungen lassen sich medikamentös, aber auch nicht-medikamentös behandeln. Grundsätzlich hilft oftmals Bewegung vor dem Schlafengehen. Betroffene sollten vermeiden, zu später Stunde noch größere Mahlzeiten zu sich zu nehmen. Auch sollten sie auf übermäßigen Alkohol-, Kaffee- und Zigarettenkonsum verzichten. Wacht der Betroffene nachts auf, so helfen manchmal ein kleiner Rundgang durch die Wohnung oder Musik hören und erst dann wieder ins Bett zu gehen, wenn die Müdigkeit erneut einsetzt. Hilfreich ist auch, wenn Patientenmöglichst immer zur gleichen Zeit aufstehen, um den Schlaf-Wach-Rhythmus zu unterstützen. Tritt nachts eine Akinesie oder eine schmerzhafte Off-Phase-Dystonie auf, so können sie abends zusätzlich L-Dopa-Retardpräparate oder auch Dopaminagonisten mit längerer Wirkdauer einnehmen. Haben die Betroffenen hingegen andere Dyskinesien, muss die dopaminerge Medikation reduziert werden. Depressive Schlafstörungen lassen sich oftmals durch eine antidepressive Therapie bessern.

Als Schlafmittel sollten Patienten zunächst pflanzliche Mittel probieren. Baldrian, Hopfen oder Passionsblume zeigen vielfach eine gute Wirkung. Zudem haben sie keine unerwünschten Wirkungen. Alle anderen Schlafmittel sollten unbedingt mit dem behandelnden Arzt abgesprochen werden, denn diese Medikamente haben ein hohes Abhängigkeitspotenzial und können schnell missbraucht werden. Die Einnahme sollte zunächst zwei bis drei Wochen nicht überschreiten und möglichst nur bei Bedarf anstatt regelmäßig durchgeführt werden.
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Begleitende Therapien

Physiotherapie
Bei der Parkinson-Krankheit ist es besonders wichtig, dass die Betroffenen regelmäßig Krankengymnastik erhalten, um Fehlhaltungen des Körpers vorzubeugen:
  • Die verbliebene Bewegungsfähigkeit soll erhalten und gefördert, die oftmals verlorengegangene Harmonisierung der Bewegungsabläufe neu eingeübt und der erhöhte Muskeltonus (Rigor) vermindert werden. Somit unterscheidet sich die Form der Krankengymnastik durchaus von der bei anderen Krankheiten.
  • Besonders bewährt in der Behandlung von Menschen mit Morbus Parkinson haben sich rhythmische Übungen und rhythmische Bewegungsgymnastik oder sogar Tanzen, sofern das die Beweglichkeit des Einzelnen erlaubt. Selbsthilfegruppen bieten oftmals Gruppengymnastik an.
  • Auch scheint Laufbandtraining mit Entlastung des Körpergewichts durch eine spezielle Haltungsvorrichtung über dem Laufband bei Parkinson-Patienten besser als konventionelles Gehtraining zu sein.
Es gibt Übungen für die Haltungsverbesserung. Diese können im Stehen an der Wand oder Sprossenwand, aber auch im Liegen oder Sitzen durchgeführt werden. Das Mitschwingen der Arme können Betroffene üben. Schwungübungen können sie im Sitzen oder Stehen ausführen. Koordinationsübungen versuchen, das Zusammenspiel der einzelnen Gliedmaßen zu verbessern. Hierbei werden zunächst Übungen mit den einzelnen Gliedmaßen gemacht, bevor es dann an die Koordination geht.

Gehübungen können bewirken, die oftmals verkürzten Schritte bei Parkinson-Patienten wieder etwas zu verlängern. Dabei helfen auf den Boden gelegte Hölzer oder andere Hilfsmittel, über die der Erkrankte einen Schritt macht und somit jeweils eine bestimmte Schrittlänge einhalten muss. Mögliche Startschwierigkeiten können durch Tricks wie einen kurzen Schlag auf den Oberschenkel, laute Kommandos oder lautes Zählen, ein Metronom oder rhythmische Musik im einfachen Viervierteltakt beeinflusst werden. Auch eine Markierung auf dem Boden bietet Orientierung. Ein Hindernislauf über leicht erhöhte Gegenstände auf dem Boden hilft, das Heben der Beine beim Gehen zu unterstützen.

Ergotherapie
Durch ergotherapeutische Übungen und Hilfsmittel soll für die Betroffenen die größtmögliche Selbstständigkeit im Alltag erhalten werden. Dabei ist es wichtig, die ergotherapeutischen Maßnahmen ganz auf die Beeinträchtigungen der jeweiligen Person abzustimmen. Trotz allem sollen sie den Patienten auch Freude bereiten und keine Überforderung darstellen. Bezugspersonen sollten bei den Übungen mit einbezogen werden.

Die Übungen umfassen vor allen Dingen die alltäglichen Lebensaktivitäten wie Körperpflege und Ankleiden, Haushaltsversorgung inklusive selbstständigem Essen. So steht die Erhaltung der Handgeschicklichkeit ganz im Vordergrund. Die Drehbewegung der Hände lässt sich üben. Bei weiteren Fingerübungen, die zum Teil der Geschicklichkeit, aber zusätzlich auch der Muskelkräftigung dienen, kann der Betroffene bei manchen Übungen mit oder ohne Therapieknete üben.

Schreib- und Zeichenübungen können auf mit Hilfslinien versehenem Schreibpapier gemacht werden. Es unterstützt Parkinson-Patienten dabei, Buchstaben wirklich gleichmäßig groß zu schreiben und nicht zum Zeilenende hin wesentlich kleiner zu werden. Entweder kann der Betroffene mit Druckschrift, sofern möglich auch mit Schreibschrift arbeiten.

Sprachtherapie
Sehr häufig ist bei der Parkinson-Krankheit die Muskulatur betroffen, die für das Sprechen zuständig ist, also die Zungen- und Kehlkopfmuskulatur sowie auch die Gesichtsmuskulatur. Dabei verändert sich die Stimme langsam, sie wird leiser und verwaschen. Schon sehr früh sollten Betroffene mit der Logopädie, der Stimm- und Sprachtherapie beginnen. Bei dieser Therapie werden nicht nur die Stimme und Aussprache sowie Sprechgeschwindigkeit von Parkinson-Patienten trainiert, sondern auch die Mundbeweglichkeit und Mimik geschult sowie die Atmung verbessert.

Die Betroffenen sollen dabei lernen, ihre verbliebenen Sprechfunktionen möglichst effektiv in der alltäglichen Kommunikation einzusetzen. Dabei wird geübt, Atmung und Stimmproduktion besser zu koordinieren, die Sprachmelodie zu beeinflussen und die Betroffenen zur Kommunikation zu motivieren. Auch Kau- und Schluckstörungen werden behandelt.
  • Erhalt der Mimik: Insbesondere die Mimik nimmt bei Parkinson-Patienten im Verlauf der Erkrankung immer mehr ab. Insofern ist es sehr wichtig, dass sie täglich etwas für den Erhalt ihrer Mimik tun. Sie können mit Unterstützung des Logopäden oder Physiotherapeuten ein Programm zusammenstellen, mit dem möglichst alle Gesichtsmuskeln trainiert werden.
  • Atemtherapie: Durch die nachlassende Beweglichkeit kann bei Parkinson-Patienten im Verlauf die Atmung flacher werden. Dadurch ist der Sauerstoffbedarf nicht mehr ausreichend gedeckt und Schwindel und Müdigkeit können auftreten. Durch eine gezielte Atemtherapie kann einerseits die Atmung selbst, aber auch das Sprechvermögen verbessert werden.
Entspannung
Über ein tiefes und gelassenes Atmen können Betroffene gut in eine Entspannung kommen. Dabei können sie entweder den Atemrhythmus nutzen, um sich selbst in die Entspannung zu geleiten, oder die Entspannung mehr über eine willkürliche Muskelentspannung hervorrufen. Sie können zum Beispiel bewährte Methoden wie das Autogene Training oder die Progressive Muskelentspannung nach Jacobson anwenden. Die Entspannung hilft dem Betroffenen, seine Symptome eine Zeit lang zu vergessen, da sie sich während der Übungen bessern. Der Rigor Lässt sich durch das Üben sogar über mehrere Stunden lindern. Auch Schlafstörungen lassen sich dadurch positiv beeinflussen.
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Wochen-Medikamentenbox
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Medikamentöse Therapie: Für die Behandlung der Erkrankung steht eine Vielzahl an Substanzen zur Verfügung.
Schlafende alte Frau
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Schlafattacken: Dopaminagonisten haben Nebenwirkungen wie Übelkeit oder Brechreiz. Teilweise kann es bei Einnahme dieser Parkinson-Medikamente auch zu Schlafattacken kommen.
Brausetablette im Wasserglas
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Trinktablette mit dem L-Dopa-Wirkstoff: Sie wird am Morgen nach dem Erwachen eingenommen und bietet Betroffenen eine schnelle Starthilfe in den Tag.
Infusionsbeutel
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Amanatidsalze: Sie werden als Infusionslösung, aber auch als Tabletten eingesetzt und wirken insbesondere auf die Askinese und den Tremor.
Geschnittenes Vollkornbrot
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Vollkornlebensmittel helfen gegen Verstopfungen, die bei Morbus Parkinson häufig auftreten. Die Ballaststoffe in den Vollkornlebensmitteln quellen im Darm auf und regen so die Verdauung an.
Hochgelegte Beine auf dem Sofa
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Die Beine hoch lagern: So wird der Kreislauf wieder normalisiert, denn Parkinsonpatienten leiden häufig unter Kreislaufstörungen.
Physiotherapie des Nackens
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Physiotherapie: Damit lässt sich die Beweglichkeit der Patienten erhalten und die Haltung verbessern.
Hand zeichnet Figuren aufs Papier
© Deutsche Parkinson Vereinigung
Ergotherapeutische Übungen: So wird beispielsweise bei einer bestehenden Mikrografie trainiert, die Zeilen einzuhalten und zum Ende hin in der Schrift nicht kleiner zu werden.