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descriptionGrafik: Gehirn
Demenz und Alzheimer minimieren die Geisteskraft bis zur Hilflosigkeit. Experten rechnen in naher Zukunft in jeder dritten Familie mit einem Betroffenen.
descriptionSchlüssel
„Nur“ gestresst, vergesslich, etwas depressiv oder bereits dement? Die Anzeichen einer Demenz sind unspezifisch. Spezielle Tests erleichtern die Diagnosestellung.
descriptionÄltere Hände mit Tablettendose
So lange wie möglich selbstständig bleiben ist Ziel der Behandlung. Stoppen oder sogar rückgängig machen kann man eine Demenz nämlich nicht.
descriptionSenioren mit Rollator
Gangsicherheit verbessern, Selbstvertrauen stärken – beides gelingt mit dem neuen Therapiekonzept „FRANZ“ für Demenzkranke mit Oberschenkelhalsbruch.
descriptionHand halten
Demenz ist für Betroffene und Angehörige gleichermaßen schwierig. Wie geht man mit der Krankheit um? Wo finden Angehörige Hilfe und Unterstützung?
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Demenz: Symptome und Diagnostik

Je früher eine Demenz erkannt wird, desto größer ist für den Betroffenen die Chance, weiterhin selbstbestimmt zu leben. Gedächtnisambulanzen und Memory-Kliniken verfügen über modernste Möglichkeiten, um Demenzen frühzeitig zu diagnostizieren.

Im Überblick



Experten beklagen, dass viele Demenzen nicht oder erst sehr spät diagnostiziert werden. So vergehen zwischen den ersten Warnzeichen und der endgültigen Diagnose einer Demenz-Erkrankung oft Jahre. Würde die Diagnose in einem frühen Stadium gestellt, hätte der Patient die Möglichkeit, selbstbestimmt sein weiteres Leben zu planen und noch Dinge zu tun, die ihm in seinem Leben immer besonders wichtig waren.

Der Grund für die oft späte Diagnosestellung liegt zum einen darin, dass einige Hausärzte das Thema Demenz eher stiefmütterlich behandeln und Patienten wie auch Angehörige mit ihren eindeutigen Hinweisen darauf manchmal nicht ernst nehmen. Zum anderen gehen viele Betroffene ungern zum Spezialisten – aus Angst, man könne sie beispielsweise in ein Heim einweisen oder ihnen den Führerschein entziehen.

Dabei ist eine frühe Diagnosestellung auch Voraussetzung für eine frühzeitige medikamentöse Therapie, mit der sich Demenzen in ihrem Fortschreiten bremsen lassen. Außerdem gibt es Demenzformen, etwa bei Stoffwechselerkrankungen oder bei Depressionen, bei denen sich unter einer Behandlung die Symptome weitgehend zurückbilden können.
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Vielfältige Symptomatik

Das Erkennen einer Demenz wird dadurch erschwert, dass sich die Krankheit sehr unterschiedlich bemerkbar machen kann, die Symptome nicht einheitlich sind und der Krankheitsverlauf enorm variieren kann. Es gibt typische Anzeichen, die aber in den meisten Fällen nicht alle gleichzeitig auftreten:

• anhaltende oder zunehmende Vergesslichkeit
• ungewohnte Konzentrationsstörungen
• Schwierigkeiten beim Planen komplexerer Abläufe (etwa beim Packen eines Reisekoffers)
• Orientierungslosigkeit (die Betroffenen wissen nicht mehr, wo sie sich befinden)
• Sprachstörungen (im frühen Krankheitsstadium fallen vor allem Wortfindungsstörungen auf)
• eingeschränktes Urteilsvermögen (zum Beispiel unpassende Kleidung)
• Persönlichkeitsveränderungen (beispielsweise Aggressivität oder Unruhe).
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Früherkennung durch die Angehörigen

Bei älteren Menschen spielen die Angehörigen oft die wichtigste Rolle in der Früherkennung einer Demenz. Sie stellen am Partner, an Mutter oder Vater als Erste eine ungewohnte Vergesslichkeit fest. Sie merken auch als Erste, wenn sich deren Persönlichkeit zu verändern beginnt. Nicht selten kommt es allerdings vor, dass der Erkrankte versucht, seine Beschwerden herunterzuspielen, zu verbergen oder zu verdrängen.
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Demenz-Risiko selbst testen

Hinweise auf eine Demenz können Sie mit diesen Tests online aufspüren – am besten mit der Hilfe eines Angehörigen. Kommen Ihnen die Ergebnisse bedenklich vor, dann besprechen Sie sie umgehend mit Ihrem Arzt. Nach weiteren Untersuchungen wird er Ihnen sagen können, ob der Verdacht auf eine Demenzerkrankung begründet ist. Bitte beachten Sie: Diese Tests dienen nur der Orientierung. Sie können einen Besuch bei einem Arzt nicht ersetzen. Beachten Sie außerdem: Auch das Krankheitsbild Depression kann ähnliche Symptome hervorrufen und daher ebenfalls zu auffälligen Testergebnissen führen.

ADAM und EVA (nach PD Dr. Pasquale Calabrese) – So funktionieren die Tests:
  • Der Demenz-Früherkennungs-Fragebogen ADAM (Allgemeines Demenz Anamnese Modul) ist für Betroffene konzipiert. Er überprüft Denken, Stimmung und Alltagsverhalten. Diese drei Persönlichkeitsbereiche verändern sich im Lauf einer Demenz-Erkrankung am stärksten. Der Fragebogen untersucht mit jeweils drei Fragen zu jedem dieser Bereiche, ob eine Veränderung vorliegt. Wenn Sie alle neun Fragen beantwortet haben, bekommen Sie eine erste Auswertung zu Ihrem persönlichen Demenz-Risiko.
  • Der EVA-Fragebogen richtet sich an die Angehörigen eines Demenzrisiko-Patienten. Dieses Explorationsmodul Verhaltens-Analyse untersucht bestimmte Verhaltensbereiche und vermittelt so einen Hinweisauf neu aufgetretene Verhaltensänderungen.

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Diagnostik der Demenz

An erster Stelle der Diagnostik steht immer das Gespräch mit dem Patienten. Es erfordert vom Arzt beziehungsweise vom Psychologen viel Zeit und Einfühlungsvermögen sowie eine ruhige, entspannte Atmosphäre. Die Experten sind auch auf die Beobachtungen der Angehörigen angewiesen. Sie geben wichtige Hinweise auf Veränderungen im Alltag, die möglicherweise auf eine Demenz hindeuten. Im Anschluss an die Gespräche absolviert der Patient unter Anleitung eines Neuropsychologen einige Tests, die Aufschluss über die geistige Leistungsfähigkeit geben und ein unverzichtbarer Baustein der Demenz-Diagnostik sind. Damit werden Gehirnfunktionen wie Gedächtnis sowie sprachliche, räumliche und zeitliche Orientierung überprüft, die zur Bewältigung des Alltags erforderlich sind.

Kurz- oder Screeningtests können innerhalb weniger Minuten die vom Patienten, von Angehörigen oder vom Arzt wahrgenommenen Veränderungen objektivieren. Im Frühstadium einer Demenz können Kurztests wie der Mini-Mental-Status-Test oder der DemTect ergänzt werden durch die sogenannte CERAD-Plus-Testbatterie. Dieses Standarduntersuchungsverfahren aller deutschsprachigen Gedächtnis-Ambulanzen prüft Bereiche wie Sprache, Lernen, mittelfristiges Gedächtnis für Worte und Formen, räumliches Vorstellungs- und Konstruktionsvermögen sowie Aufmerksamkeit. Die Ergebnisse werden verglichen mit den Leistungen gleichaltriger gesunder Menschen mit vergleichbarem Bildungsstand. Da die Patienten zu Beginn der Erkrankung noch am besten mitarbeiten können, ist eine frühzeitige Untersuchung wichtig. Der Neuropsychologe beurteilt außerdem die psychische Verfassung des Patienten. Besonders wichtig ist es, Anzeichen einer Depression zu erkennen, die die Leistungseinbußen erklären könnte.

Leistungstest zum Erkennen einer Demenz
  • Der Mini-Mental-Status-Test (MMST) ist ein bewährtes Instrument zur Überprüfung der Merkfähigkeit, der Orientierung, der Konzentration und des Sprachverständnisses. Insgesamt können 30 Punkte erreicht werden. Zu Beginn der Erkrankung wird oft noch eine Punktzahl im Normbereich erzielt. Werte zwischen 10 und 26 erhärten den Verdacht auf eine Demenz, Werte unter 10 weisen auf eine schwere Störung hin.

  • Der Zahlen-Verbindungs-Test dient der Überprüfung der Konzentrationsfähigkeit. Vom Patienten sollen auf einem Blatt zufällig verteilte Zahlen in aufsteigender Reihenfolge mit einer Linie verbunden werden. Auch die dafür benötigte Zeit gibt Auskunft über eine eventuelle Hirnleistungsstörung.

  • Der Uhrenzeichentest ist ebenfalls einfach, aber aussagekräftig. Der Patient wird gebeten, innerhalb eines vorgegebenen Kreises das Zifferblatt einer Uhr darzustellen. Zusätzlich soll er die Zeigerstellung einer Uhrzeit wie etwa 10 Minuten vor fünf einzeichnen. Demenz-Patienten sind dazu oft nicht in der Lage und machen häufig Fehler.

Körperliche Untersuchung von Kopf bis Fuß

Bei der körperlichen Untersuchung wird unter anderem nach Hinweisen auf eine Arteriosklerose gesucht. Das können Gefäßgeräusche in der Halsschlagader oder Durchblutungsstörungen in den Beinen sein. Durch Befragung und Labortests stellt der Arzt fest, ob eine chronische Vergiftung mit Alkohol oder Medikamenten wie Schlaf- oder Beruhigungsmitteln vorliegt. Sie können Verwirrtheitszustände auslösen. Zur Diagnostik gehören außerdem einige Labortests, um mögliche Ursachen einer sogenannten sekundären, reversiblen Demenz aufzudecken. Von Interesse sind besonders Leber- und Nierenwerte, Elektrolyte, Blutfette, Blutzucker und Blutbild. Auch eine Bestimmung der Schilddrüsenhormone und des Vitamin B12 ist wichtig. Es ist auch möglich eine molekulargenetische Untersuchung auf ein spezielles Gen und seine Untereinheiten zu unternehmen. Es ist nämlich bekannt, dass Träger einer bestimmten Genvariante, die das Apolipoprotein E4 codiert, ein höheres Risiko haben, an einer Alzheimer-Demenz zu erkranken.

Außerdem kann das Gehirn mittels einer Kernspintomografie (MRT) beziehungsweise einer Computertomografie (CT) dargestellt werden. Diese bildgebenden Verfahren geben in späteren Demenzstadien Aufschluss über das Ausmaß des hirnorganischen Abbaus und lassen den erfahrenen Röntgenarzt verschiedene Demenzformen voneinander unterscheiden. Außerdem können andere Ursachen von Verwirrtheit oder Leistungseinbußen durch einen Hirntumor oder einen Schlaganfall frühzeitig ausgeschlossen werden. Mit einer Ultraschalluntersuchung der Halsgefäße werden Verengungen oder Verschlüsse der Adern erkannt.

Ergänzend können bei Demenz-Verdacht eine Positronen-Emissions-Tomografie (PET) sowie eine Single-Photon-Emissions-Computertomografie (SPECT) durchgeführt werden. Beide Verfahren zeigen die noch vorhandene Funktionsfähigkeit des Gehirns an, gehören aber nicht zum Routine-Diagnostikprogramm bei Demenz. Während die PET-Technik Veränderungen des Zucker- und Sauerstoffgehalts im Gehirn misst, stellt die SPECT-Technik die Hirndurchblutung dar.

Demenz mit Tarnkappe

Folgende Erkrankungen können ebenfalls Symptome einer Demenz verursachen:

· Stoffwechselerkrankungen (zum Beispiel Schilddrüsenerkrankungen)
· Leber- und Nierenfunktionsstörungen
· Schädel-Hirn-Verletzungen, Hirntumore
· Alkohol- und Drogenmissbrauch beziehungsweise -abhängigkeit
· Depression

Wird die Grunderkrankung rechtzeitig erkannt und behandelt, bilden sich die Beschwerden oft wenigstens teilweise zurück. Besonders schwierig ist oft die Abgrenzung einer beginnenden Demenz gegen eine Depression. Ältere depressive Patienten zeigen seltener die klassischen Depressionssymptome wie Niedergeschlagenheit, Antriebsverlust, Verzweiflung und suizidale Absichten. Bei ihnen stehen oft Symptome wie Verwirrtheit, Desorientiertheit, Antriebssteigerung, Schlafstörungen sowie Wahrnehmungs- oder Konzentrationsstörungen im Mittelpunkt der depressiven Entwicklung. Wenn eine Depression als Ursache der Beschwerden rechtzeitig erkannt und medikamentös behandelt wird, bessern sich die Beschwerden oft erstaunlich rasch und nachhaltig.

Keine absolute Sicherheit bei der Diagnose

Selbst mit modernsten Untersuchungsmethoden kann eine Demenz heute zu Lebzeiten des Patienten noch nicht mit absoluter Sicherheit diagnostiziert werden. Das ist nur nach dem Tod durch eine Gewebeuntersuchung zweifelsfrei möglich. Gerade in einem frühen Krankheitsstadium ist eine Diagnose schwierig und der Ausschluss anderer Krankheitsursachen von großer Bedeutung. Allerdings kann auch in Zusammenschau aller diagnostischen Befunde und vor allem durch eine Beobachtung des Krankheitsverlaufs eine verlässliche Demenz-Diagnose gestellt werden.

Ausblick

Für eine spezielle Demenzform, die frontotemporale Demenz (FTD), steht möglicherweise schon bald ein Bluttest zur Verfügung. Diese Demenz tritt meist vor dem 65. Lebensjahr auf. Der Abbau beginnt hier im Frontallappen des Gehirns, der etwa 30 Prozent der Gesamtmasse umfasst. Menschen mit einer frontotemporalen Demenz fallen zunächst durch Veränderungen ihres Verhaltens und ihrer Persönlichkeit auf. Der Verlust der Gedächtnisfunktionen kommt später hinzu. Forscher fanden heraus, dass in Familien, in denen diese Demenzform überproportional häufig auftritt, bei vielen Mitgliedern genetische Veränderungen am Chromosom 17 zu finden sind. Diese Genveränderung führt dazu, dass die Betroffenen nur die Hälfte der normalen Menge des Wachstumsfaktors Progranulin produzieren. Dieser Mangel ist verantwortlich dafür, dass Nervenzellen im Frontallappen des Gehirns absterben. In Zukunft lässt sich die genetische Veränderung möglicherweise mit einem einfachen Bluttest, der die Menge des Progranulins bestimmt, feststellen. Neuerdings gibt es Hinweise darauf, dass Progranulin auch bei der Alzheimer-Erkrankung eine Rolle spielen könnte.
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Seniorin am Fenster
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Ein typisches Anzeichen ist Orientierungslosigkeit. Der Betroffene weiß zeitweise nicht, wo er sich gerade befindet.
Seniorenpaar beim Spaziergang
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Stabile Beziehungen machen Demenzkranke zufriedener und weniger aggressiv.
Senior beim Arzt
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Mithilfe verschiedener Tests, zum Beispiel des Mini-Mental-Status-Tests, der nur wenige Minuten dauert, kann der erfahrene Untersucher erste Anzeichen einer Demenz diagnostizieren.
Uhrzeichentest
© vitanet GmbH
Der Uhrzeichentest - Demenzpatienten können eine Uhr oft nicht mehr richtig zeichnen, wie hier im Beispiel.
Senior
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Im Alter sind Depression und Demenz oft schwer voneinander zu unterscheiden.
Grafik: Gehirn
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Die frontotemporale Demenz (FTD) beginnt im Frontallappen des Gehirns (in Rot). Erste Anzeichen sind Veränderungen im Verhalten und in der Persönlichkeit.