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descriptionGrafik: Gehirn
Demenz und Alzheimer minimieren die Geisteskraft bis zur Hilflosigkeit. Experten rechnen in naher Zukunft in jeder dritten Familie mit einem Betroffenen.
descriptionSchlüssel
„Nur“ gestresst, vergesslich, etwas depressiv oder bereits dement? Die Anzeichen einer Demenz sind unspezifisch. Spezielle Tests erleichtern die Diagnosestellung.
descriptionÄltere Hände mit Tablettendose
So lange wie möglich selbstständig bleiben ist Ziel der Behandlung. Stoppen oder sogar rückgängig machen kann man eine Demenz nämlich nicht.
descriptionSenioren mit Rollator
Gangsicherheit verbessern, Selbstvertrauen stärken – beides gelingt mit dem neuen Therapiekonzept „FRANZ“ für Demenzkranke mit Oberschenkelhalsbruch.
descriptionHand halten
Demenz ist für Betroffene und Angehörige gleichermaßen schwierig. Wie geht man mit der Krankheit um? Wo finden Angehörige Hilfe und Unterstützung?
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Übersicht und Krankheitsbild

Demenz ist keine normale Alterserscheinung, sondern eine Erkrankung, die typischerweise im Alter auftritt und bislang nicht heilbar ist – ausgenommen davon sind sekundäre Demenzen, das heißt, die Demenz tritt in Zusammenhang mit einer anderen Grunderkrankungen auf. Mit Medikamenten und guter Betreuung lässt sich jedoch der Verlauf positiv beeinflussen und das Fortschreiten der Erkrankung hinauszögern.

Im Überblick



„Demenz“ ist der Oberbegriff für eine Reihe von Erkrankungen, die ausgeprägte Störungen des Gedächtnisses, des Denkvermögens und meist auch gravierende Veränderungen der Persönlichkeit verursachen. Die Erkrankungszahlen sind nicht gleichmäßig über alle Altersgruppen verteilt.

Von den 60- bis 70-Jährigen sind etwa ein bis zwei Prozent betroffen. Jenseits des 70. Lebensjahres steigt der Prozentsatz dann aber steil an: Während in der Altersgruppe der 70- bis 80-Jährigen der Prozentsatz bei etwa drei bis sechs Prozent liegt, erkrankt bei den 80- bis 90-Jährigen fast jeder Fünfte daran (15 bis 20 Prozent). Von den 90- bis 95-Jährigen ist bereits ein Drittel an einer Demenz erkrankt.
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Demenz trifft vor allem alte Menschen

Zwölf Millionen Menschen sind heute in Deutschland älter als 65 Jahre, davon leiden 1,2 Millionen an einer schleichenden Demenz. Bei etwa 800.000 bis 900.000 Betroffenen hat die Demenz ein mittelschweres und schweres Stadium erreicht – eine selbstständige Lebensführung ist in diesen Krankheitsstadien nicht mehr möglich. Jährlich erkranken etwa 200.000 Menschen neu an einer Demenz. Diese Zahlen werden vermutlich steigen. Epidemiologische Schätzungen zeigen für Deutschland und andere europäische Länder, dass in naher Zukunft in jeder dritten Familie ein Angehöriger mit Alzheimer-Demenz leben wird. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) bezeichnet die Alzheimer-Krankheit deshalb als „eines der größten medizinischen Probleme der heutigen Welt“.
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Stoffwechselstörungen können Demenz begünstigen

Aus verschiedenen Studien ist mittlerweile bekannt, dass Stoffwechselstörungen das Demenzrisiko beeinflussen. Rauchen, Alkohol, fettreiches Essen – die Liste der Risikofaktoren für Demenz-Erkrankungen ist lang. Nachfolgend die wichtigsten Erkenntnisse:

  • Frauen mit metabolischem Syndrom, das heißt dem Quartett aus Übergewicht, Bluthochdruck, erhöhten Blutfettwerten und Blutzuckerwerten, haben ein erhöhtes Demenzrisiko.
  • Ältere Männer mit Übergewicht (Adipositas) haben ein erhöhtes Risiko, an Demenz zu erkranken.
  • Untergewicht: Stark demenzgefährdet sind Menschen, die im Alter untergewichtig sind. Als Untergewicht ist ein BMI (Body-Mass-Index) unter 20 kg/m2 definiert.
  • Diabetes mellitus und erhöhte Blutfette (LDL- und Gesamt-Cholesterin) fördern eine Demenz, das heißt sie beschleunigen bei bereits bestehender Alzheimer-Erkrankung den geistigen Verfall.
  • Bei Alzheimer-Patienten mit erhöhten LDL- und Gesamt-Cholesterin-Blutwerten verschlimmert sich die Demenz besonders schnell.
  • Für Träger des Gens ApoE4 ist die Wahrscheinlichkeit, an Alzheimer zu erkranken, erhöht.
  • Darüber hinaus beschleunigt auch ein Schlaganfall das Nachlassen der kognitiven Hirnleistungen.

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Dement oder zerstreut?

Doch wie fängt eine Demenzerkrankung an? Jeder Mensch vergisst mal einen Namen oder lässt zerstreut Dinge liegen, die er anschließend sucht. Deshalb hat er aber noch lange keine Demenzerkrankung. Nach der International Classification of Diseases (ICD-10) der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist Demenz definiert als ein Syndrom infolge einer meist chronischen oder fortschreitenden Krankheit des Gehirns mit Störung von Gedächtnis, Denken, Orientierung, Rechnen, Lernfähigkeit, Sprache und Urteilsvermögen. Diese kognitiven Beeinträchtigungen werden gewöhnlich von sich schleichend entwickelnden psychischen Veränderungen begleitet. So können sich zum Beispiel die emotionale Kontrolle und das Sozialverhalten des Betroffenen nachteilig für ihn und seine Umwelt verändern.

Erste Hinweise auf eine Demenzerkrankung können folgende Verhaltensweisen geben:
  • Zunehmende Vergesslichkeit (zum Beispiel mehrfach dieselbe Frage stellen)
  • Gegenstände wie Wäsche oder Geschirr werden an der falschen Stelle abgelegt
  • Dinge werden häufig nicht wiedergefunden
  • Begriffe werden gesucht
  • Worte werden im falschen Zusammenhang benutzt
  • Unerwartete Aggressivität tritt auf
  • Betroffene ziehen sich immer mehr zurück
  • Gefühl der Überforderung tritt schnell auf

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Die drei Stadien der Demenz

Üblicherweise wird der Verlauf fortschreitender Demenzen in drei Stadien unterteilt, die nacheinander eintreten:

Im leichten Stadium äußert sich Demenz nur in komplexen Alltagstätigkeiten. Die Betroffenen können neue Informationen kaum noch behalten, vergessen Termine und wiederholen Fragen. In ihrer gewohnten Umgebung finden sie sich gut zurecht, an unvertrauten Orten (etwa im Urlaub) können sie sich aber nicht mehr orientieren. In diesem Stadium registrieren die Kranken ihren Abbau oft sehr genau. Dies kann zu Angst, Depression und Aggression führen.

Im mittleren Stadium vergessen die Patienten Namen vertrauter Personen, bringen Gegenwart und Vergangenheit durcheinander, brauchen Hilfe beim Waschen und Anziehen und finden sich in der eigenen Wohnung nicht mehr sicher zurecht. Wahnvorstellungen, Halluzinationen und Störungen des Tag-Nacht-Rhythmus können auftreten. Das Krankheitsgefühl geht weitgehend verloren.

Im schweren Stadium verstummen die Kranken zunehmend, verlieren die Kontrolle über Blase und Darm (Inkontinenz), entwickeln Schluckstörungen und werden bettlägerig. Die häufigste Todesursache ist eine Lungenentzündung. Bei der Alzheimer-Krankheit dauert jedes Stadium durchschnittlich etwa drei Jahre. Eine Prognose für den Einzelfall lässt sich daraus aber nicht ableiten. Manchmal ist der Abbau rasch, es ist aber auch ein wesentlich langsamerer Verlauf bis zu 20 Jahren möglich.
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Welche Demenz kann sich zurückbilden?

Es gibt Demenzformen, deren Ursache behandelt werden kann, das heißt sie können ganz oder teilweise geheilt werden.
Dazu gehören Demenzen durch
  • Medikamenten-, Alkohol- oder Drogenmissbrauch
  • Vergiftungen (zum Beispiel durch Metalle oder Insektizide)
  • Mangelernährung
    Hormonstörungen (etwa bei einer Schilddrüsenerkrankung)
  • Infektionen mit Bakterien oder Viren
  • Hirntumore
  • Hydrozephalus (Wasserkopf)
Wird die Ursache rechtzeitig erkannt und richtig behandelt, können sich die Beschwerden ganz oder teilweise zurückbilden oder die Demenz kann in ihrem Fortschreiten gebremst werden.

Selbst für erfahrene Ärzte ist es manchmal schwierig, eine Demenz von einer schweren Depression zu unterscheiden. Depressionen können bei älteren Menschen ebenfalls sehr ausgeprägte Störungen des Gedächtnisses und anderer geistiger Funktionen verursachen. In diesem Fall führt die medikamentöse Behandlung mit Antidepressiva (Medikamente gegen die Depression) nicht nur zu einer Normalisierung der Stimmungslage, sondern auch zu einer deutlichen Besserung der geistigen Leistungsfähigkeit.
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Von Alzheimer bis Morbus Pick: Demenz hat viele Ursachen

Die häufigste Demenzform ist die Demenz vom Alzheimer-Typ. Diese Demenz-Krankheit wurde 1906 von dem deutschen Neuropsychiater Alois Alzheimer beschrieben und später nach ihm benannt. Sie ist charakterisiert durch einen schleichenden Beginn und einen gleichförmigen, fortschreitenden Verlauf.

Bei der Demenz vom Alzheimer-Typ (kurz DAT) wird die Funktion der Nervenzellen durch krankhafte Eiweißablagerungen, die sogenannten Amyloid-Plaques, gehemmt. Durch diese Ablagerungen wird die Kommunikation der Nervenzellen untereinander gestört. Außerdem sterben Nervenzellen ab. Das geschieht vor allem in Gehirnregionen, die an der Entwicklung von Gedächtnis, Sprache und Denkfähigkeit beteiligt sind. Durch das massenhafte Absterben von Nervenzellen schrumpft die Hirnmasse. Eine große Rolle spielen dabei nicht nur die Amyloid-Plaques, die sich außerhalb der Nervenzellen ablagern, sondern auch die intrazellulären (in der Zelle befindlichen) neurofibrillären Bündel, die aus Tau-Proteinen entstanden sind.
Die Veränderungen im Gehirn beginnen, schon lange bevor erste Symptome der Erkrankung auftreten. Einflüsse, die das Auftreten einer Alzheimer-Demenzbegünstigen, sind vermutlich:
  • schwere Hirnschädigungen im Lauf des Lebens
  • Schilddrüsenunterfunktion
  • starkes Rauchen
  • ungesunde Ernährung
  • Arteriosklerose
  • Bluthochdruck
  • Veränderungen des Erbguts allein dürften für weniger als drei Prozent aller Alzheimer-Erkrankungen verantwortlich sein. Bei dieser Ursache erkranken Familienmitglieder über mehrere Generationen hinweg bereits vor dem 60. Lebensjahr.
Keine Ursache, aber einen wesentlichen Risikofaktor stellt eine bestimmte Form des Gens für Apolipoprotein E (Apo E) auf dem Chromosom 19 dar, das Apo E4. Träger dieser Variante erkranken im Durchschnitt vier bis acht Jahre früher als Personen mit einer anderen Apo E-Variante.

Der größte Risikofaktor für eine Demenz ist ein hohes Lebensalter. Neben den Erbanlagen sind auch Entzündungen, Kopfverletzungen, Medikamente und giftige Substanzen Risikofaktoren. Wahrscheinlich verursacht eine Kombination mehrerer oder aller Einflussfaktoren die Entwicklung einer Demenz.
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Gewohnte Tätigkeiten bereiten Probleme

Die Alzheimer-Demenz fällt meistens durch Schwierigkeiten im Erlernen und Behalten neuer Informationen, vor allem aber durch Probleme bei der Bewältigung gewohnter Tätigkeiten sowie durch Veränderungen der Persönlichkeit auf. Oft zeigen sich zudem schon längere Zeit ein nachlassendes Interesse an Hobbys oder an Sozialkontakten, ein Rückzug in Gesprächen, aber auch Niedergeschlagenheit, erhöhte Reizbarkeit oder Stimmungsschwankungen. Sich nicht mehr in fremder, aber auch zunehmend nicht mehr in vertrauter Umgebung zurechtzufinden, ist ebenfalls Anzeichen einer krankhaften Veränderung.

Die Alzheimer-Demenz kann sich abhängig von der Persönlichkeit und den Lebensumständen sehr unterschiedlich entwickeln, sodass erst eine gründliche Diagnostik Aufschluss über die Erkrankung bringen kann.
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Vaskuläre Demenz: Arteriosklerose kann dement machen

Die zweithäufigste Ursache für eine Demenz sind arteriosklerotische Veränderungen im Gehirn (vaskuläre Demenz). Die das Gehirn versorgenden Arterien werden durch Kalkablagerungen eingeengt oder verschlossen. Dadurch wird das Gehirn schlechter mit Sauerstoff versorgt, wodurch zahlreiche Gehirnzellen absterben. Zu den Risikofaktoren der vaskulären Demenz zählen das Alter, Rauchen, Diabetes mellitus und zu hohe Cholesterinwerte. Diese Form der Demenz ist bei Männern sehr verbreitet. Außerdem ist entscheidend, ob das Schlaganfallrisiko erhöht ist, zum Beispiel durch Veränderungen an den Herzklappen und Herzrhythmusstörungen. Dann können Blutgerinnsel aus dem Herzen mit dem Blutstrom ins Gehirn geschwemmt werden und dort einen Gefäßverschluss verursachen.

Bei der vaskulären Demenz verschlechtern sich einzelne Gehirnleistungen manchmal schlagartig, es können Zeichen eines Schlaganfalls auftreten - beispielsweise Sprachstörungen. Oft entwickelt sich eine solche Demenz aber auch schleichend über einen längeren Zeitraum. Führen mehrere kleine Schlaganfälle zum geistigen Abbau, spricht der Arzt von einer Multi-Infarkt-Demenz.

Seltenere Demenzformen sind die Lewy-Körperchen-Demenz und die Frontotemporale Demenz (Morbus Pick). Bei der Lewy-Körperchen-Demenz wird das Gehirn durch kleine Eiweißpartikel, die Lewy-Körperchen, geschädigt.
Die Frontotemporale Demenz (Morbus Pick) ist der Alzheimer-Erkrankung sehr ähnlich, betrifft aber nur einen kleinen Teil des Gehirns im Stirn- und Schläfenlappenbereich und schreitet rascher voran.

Hirngewebsuntersuchungen haben gezeigt, dass bei vielen Demenzpatienten Anzeichen verschiedener Demenzformen zu finden sind. Die Gewebsproben wiesen sowohl alzheimertypische Veränderungen als auch Hirngefäßveränderungen auf. Diese gemischten Demenzen sind sehr häufig, werden aber oft nicht erkannt, weil die Diagnose schwierig ist.
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Senioren sitzen auf einer Bank
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Mit zunehmendem Alter steigt das Risiko für eine Demenzerkrankung steil an – von den über 90-Jährigen ist bereits etwa ein Drittel betroffen.
Übergewicht
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Übergewicht erhöht das Demenzrisiko.
Ältere Hände beim Schreiben
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Verschiedene Gehirnleistungen nehmen durch eine Demenz ab - beispielsweise das Rechnen und Schreiben.
Alzheimer-Plaques unter dem Mikroskop
© KGH/GnuFreeDocumentationLicense
Nervenzellen unter dem Mikroskop: Bei der Alzheimer-Demenz bilden sich an den Synapsen der Nervenzellen krankhafte Eiweiße, die die Reizweiterleitung hemmen.
Grafik: Arteriosklerose
© Shutterstock
Vaskuläre Demenz – dabei sterben viele Gehirnzellen ab, weil Gefäße durch Arteriosklerose verengt oder sogar verstopft sind.